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Rostocker Frauen-Power bei „Jugend forscht“

Anteil der Schülerinnen liegt bei 75 Prozent – das ist bundesweit Spitze

Rainer Schätz, Leiter des BilSE-Instituts, ehrt die Schülerinnen vom Innerstädtischen Gymnasium Bianca Kreitz (v. l.), Paula Lankowski und Helene Sophia Radloff für ihre Projektarbeit im Innovationsnetz MV.

Sie sind jung, weiblich und haben Forschergeist:
Mit ihrem Projekt „Länger lebe die Prothese“ haben die Schülerinnen Lea Kämpfert, Paula Lankowski und Bianca Kreitz vom Innerstädtischen Gymnasium einen Sonderpreis beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen. Nun sollen die 18-Jährigen sogar zu einer Messe nach Bangkok (Thailand) fliegen. Doch das reicht den Abiturientinnen nicht. „Wir wollen, dass auch die Patienten etwas von unserer Arbeit haben und von einer höheren Implantatsicherheit profitieren“, sagt Paula Lankowski. Die Rostockerinnen sind daher im Gespräch mit Krankenkassen und Ärztekammer. Die drei Schülerinnen sind ein Beispiel für die Projektarbeit des Innovationsnetzes „Schüler auf Kurs für MV“. Leistungsstarke Schüler aus der gymnasialen Oberstufe in Rostock und im Landkreis arbeiten hier gemeinsam mit Unternehmen an praktischen Aufgabenstellungen. Auch wissenschaftliche Einrichtungen machen mit. „Wir versuchen auf diese Weise, für die Unternehmen Nachwuchskräfte zu gewinnen“, sagt Rainer Schätz, Leiter des Bildungs- und Forschungsinstituts BilSE in Güstrow. Denn noch immer wanderten zu viele kluge Köpfe aus MV ab. Jörg Mantau von der Rostocker Systemtechnik GmbH beteiligt sich schon seit vielen Jahren an dem Projekt. „Wir brauchen junge, kreative Leute“, sagt er. Und beim Innovationsnetz könne sich Mantau darauf verlassen, dass Nachwuchskräfte zu ihm kommen, „die wissen, was sie wollen“. Auf der anderen Seite können sich die Schüler ausprobieren. „Es ist eine gelebte Berufsorientierung“, sagt Schätz. Schüler Adrian Schorowsky vom Erasmus Gymnasium in Rostock hebt zum Beispiel die vielen Möglichkeiten hervor, „sich entfalten zu können“. Er interessiert sich für Raumfahrttechnik.
Bis zu 160 Schüler beteiligen sich pro Jahr an den Projekten, gefördert vom Landeswirtschaftsministerium und von der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Schüler ist gestern für sein Engagement im Innovationsnetz ausgezeichnet worden. Darunter Johanna Clara Romahn, Felix Jan Engelhardt und Helene Sophia Radloff vom Innerstädtischen Gymnasium. Mit ihrem Projekt „Die unsichtbare Gefahr“ sicherten sich die drei ebenfalls einen Sonderpreis beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“. Die Schüler untersuchten die Auswirkungen von Mikroplastik-Abfall. Sie dürfen nun zu einem Internationalen Jugendwissenschaftsforum in London. Zwei Sonderpreise in einem Jahr habe es für das Innovationsnetz noch nie gegeben, sagt Peter Schmiedemann, Projektleiter bei BilSE. Gemessen an der Frauenquote liege MV sogar an der Spitze: Der Anteil der Schülerinnen bei „Jugend forscht“ liege hierzulande bei 75 Prozent – und damit so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Insgesamt ist die Anzahl der Beiträge aus MV jedoch von 159 im Jahr 2009 auf aktuell 72 gesunken,hat Thomas Döring, Leiter des Innerstädtischen Gymnasiums, herausgefunden. In anderen Bundesländer sei die Zahl dagegen gestiegen. Einer der Gründe sei die Überlastung der Lehrer hierzulande, so Döring. Das Bildungsministerium müsse endlich umdenken. Auch sollte das Projekthopping aufhören, sagt der Schulleiter.

Innovationsnetz MV feiert 15-jähriges Jubiläum

135 Schüler aus neun Schulen waren 2015/2016 beim Innovationsnetz MV aktiv. In 45 Schülerteams bearbeiteten sie von
Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen gestellte Aufgaben. Ziel des 15 Jahre alten Projektes ist es, die
Jugendlichen als zukünftige Fachkräfte in der Region zu fördern. Das Hauptaugenmerk liegt auf einer verbesserten
Studien- und Praxisorientierung. Unterstützt wurde das Projekt in den Schuljahren 2015/16 und 2016/17 mit fast 372.000 Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

 

OZ: 05.07.2017

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